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Begegnungsreise nach Nigeria

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Zukunft ohne Perspektive – Begegnungsreise von Doris Köhncke nach Nigeria

Begegnungsreise nach Nigeria

„Der Herr ist gut – zu jeder Zeit!“, so dröhnt es aus der Erlöserkirche, die das ganze Viertel beschallt. Nur fünfzig Meter weiter ein Schild der „Kapelle der Gewinner“, dicht gefolgt von den Express Baptisten, gegenüber die „Kirche der Kinder Gottes“. Während unser Bus Richtung Süden nach Benin City losfährt, betet ein Prediger unaufhörlich um eine sichere Reise, alle stimmen in seine Lieder ein. Nigerias Alltag pulsiert religiös, im Süden christlich-charismatisch, im Norden muslimisch. Und wem ein Unglück widerfährt, der oder die wird ermahnt, noch mehr auf Gott zu vertrauen, der uns nie im Stich lässt. Nur der Glaube gibt Halt, wo das Überleben und die Zukunft so ungewiss sind. Zahllose junge Männer und Frauen sehen für sich keine andere Perspektive, als in Europa ihr Glück zu versuchen – und werden dabei von habgierigen „Agenten“ und „Vermittlerinnen“ zur gehandelten Ware.

Nigeria - Kinder

Wir kommen bei Cosudwo in Benin City an, einer katholischen Organisation, die gegen Frauenhandel kämpft. In ihrem Schutzhaus wohnen zur Zeit vier junge Frauen, zwei weitere werden jeden Moment aus Italien zurück erwartet. Da ist Ann, Mitte zwanzig. Ihr Blick ist traurig, im Arm hält sie ihren vier Monate alten Sohn, den sie „God´s Power“ nennt, Gottes Macht. Sie und ihr Baby haben eine dreitägige Busreise aus Mali hinter sich, ohne Geld. God´s Power ist mangelernährt. Da sie HIV positiv ist, kann sie ihn nicht mehr stillen – doch die Babynahrung ist teuer. Ann ist froh, Unterkunft und Unterstützung zu bekommen, nach allem, was ihr widerfahren ist: die Reise auf dem Landweg nach Europa war für sie in Mali beendet. Sie musste dort als Prostituierte arbeiten. Erst nach vielen Monaten gelang ihr mit Hilfe eines Landsmannes die Flucht. Doch der Mann, der ihr half, schwängerte sie, und schließlich gelang ihr auf eigene Faust die Heimreise. Ihre Eltern wissen nicht, dass sie zurück ist. Was soll sie ihnen sagen? Zurück, ohne einen Cent in der Tasche, zurück, HIV positiv, zurück mit einem Baby, zurück aus einem schrecklichen Leben in der Prostitution und Ausbeutung…

Nigeria - Aufklärung

Cosudwo wird ihr irgendwie helfen. So wie den anderen 187 jungen Frauen, die sie in den letzten zehn Jahren reintegriert haben. Mit Starthilfen, um ein kleines Geschäft zu eröffnen, oder durch Finanzierung einer Ausbildung. Und, wo möglich, durch einfühlsame Vermittlung zurück in die eigene Familie. Wir sind beeindruckt, was Cosudow noch alles leistet: Aufklärungskampagnen, auch in entlegenen Dörfern, Sensibilisierung der Eltern, und Stipendien, wo fehlendes Geld für Schulgebühren der Grund sind, es im Ausland zu versuchen. Und obwohl so schon viele vor Frauenhandel geschützt werden konnten, gehen immer noch viel zu viele. Denn die Perspektiven zuhause sind schlecht: ohne Schulbildung bestehen kaum Berufschancen. Doch selbst mit bester Bildung ist eine Anstellung ungewiss: es gibt zu wenig Jobs für die vielen jungen Leute, und nur wer Beziehungen hat oder viel Geld bezahlen kann, wird genommen. Durch die derzeitige Wirtschaftskrise verloren viele ihre Arbeit; anderen wurden die Gehälter gekürzt. Wenn die Arbeit im eigenen Land nicht reicht, dann bleibt nur das Ausland. Und die Globalisierung bringt teure Produkte ins Land, die Städte verstärken den Wunsch nach modernem Leben. Nachbarn, die einen Mercedes oder ein teures Haus haben, weil ein Kind aus dem Ausland Geld schickt, erhöhen den Druck, es auch zu etwas bringen zu müssen. Deshalb sind es oft die Eltern, die ihre Töchter voller Hoffnung  ins Ungewisse schicken, ohne zu ahnen, was sie dort erwartet.

Wir sind für die gute Arbeit von Cosudow dankbar und versprechen beim Abschied, in Deutschland unseren Beitrag zur Unterstützung der ausgebeuteten Frauen zu leisten. Die Leute vor Ort bedanken sich für unser Engagement: „Gott segne Euch!“ Wir alle haben ihn nötig, den Segen – und ganz besonders die ausgebeuteten Frauen.

 
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